Turbulente Tage im Wendland

Womit fängt man an und vor allem, wo hört man auf, wenn man über das im Wendland Erlebte berichten will?

Während des Castortransports wurden alle Aktionen und Vorkommnisse beinahe minutiös kommuniziert, das Thema bestimmte die mediale Berichterstattung wie kein anderes…

Auch wir vor Ort mussten uns durch diese Informationsflut kämpfen, ununter – brochen gab es Neuigkeiten über den Castorticker, machten Gerüchte und Vermutungen die Runde, berichteten uns Augenzeugen. Dies hatte zur Folge, dass zumindest ich mich, während dieser vier Tage, in einem nahezu dauerhaften  Spannungszustand befand, konnte sich doch jeder Zeit das Blatt wenden und die Lage sich komplett verändern.

Doch genau das macht den Widerstand im Wendland aus, das Gefühl, dass an allen Ecken und Enden etwas vor sich geht, trügt nicht, sondern die meisten Aktionen passieren tatsächlich parallel und sind an Fantasie und Kreativität oft nicht zu überbieten.

Dieser Fantasie und Kreativität, die seit nun mehr 33 Jahren den wendländischen Widerstand charakterisiert, zollt sogar die Polizei Respekt. Insgeheim, doch auch öffentlich.

Als eine Schäferin mit ihrer Schaf- und Ziegenherde zwischenzeitlich am Montag die Transportstrecke zwischen Laase und Gorleben blockierte, konnte die anwesende Polizei nicht recht verbergen, dass auch sie diese Form des Protests, und vor allem das sich daraus ergebene Bild, durchaus gelungen fand. Treckerblockaden gab es ja vielerots, doch diese Form zivilen Ungehorsams war erfrischend neu.

Einige Stunden später, anlässlich der Greenpeace Blockade bei Dannenberg, ließ ein Polizist folgendes verlauten: „Greenpeace macht immer tolle Maßnahmen“. Es dauerte über 12 Stunden, bis die 5 Aktivisten aus dem LKW befreit waren und der LKW, welcher als Getränkelaster getarnt war, weggeschleppt werden konnte.

Nichtsdestotrotz hat sich die Polizei teilweise unverhältnismäßig verhalten. Vor allem am Sonntagmorgen, als sich tausende Aktivisten durch die Göhrde zu den Gleisen begaben, reagierte die Polizei mit besonderer Härte und Brutalität, mit Pfefferspray, Tränengas und Wasserwerfern. Die unübersichtliche, chaotische Situation nahe den Schienen rief in mir sogar kurzzeitig Bürgerkriegs – Assoziationen hervor.

Der Protest hatte also immer zwei Seiten, – die bedrückende, verstörende Stimmung, beispielsweise am Sonntag in der Göhrde, – und die ausgelassene, fröhliche Stimmung während der Kundgebung am Samstag, während zahlreicher anderer Veranstaltungen und in den Camps.

Es waren vier turbulente und anstrengende Tage, vier schöne und einmalige.

Mehr Fotos von den Castorprotesten hier: http://on.fb.me/hSNIKs

Pressemitteilung: Inakzeptable Härte durch überforderte Polizei: http://bit.ly/cv3fQ1

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